4. EIP Agri Projektaufruf in Niedersachsen

Thematische Schwerpunkte zum 4. Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen im Rahmen der ELER Maßnahme


1.   Grundsätzlich wird der 4. Aufruf zur Einreichung von Projektskizzen technologie- und themenoffen gestaltet. Voraussetzung für die Förderung ist, dass die eingereichten innovativen Skizzen die Zukunftschancen der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit und die nachhaltige Ressourcennutzung verbessern.

Dabei soll die im Rahmen einer „Operationellen Gruppe“ (OG) durchgeführte gemeinsame Erprobung in der Praxis für die schnelle und zielgerichtete Implementierung von Innovationen und agrarwissenschaftlichen Forschungsergebnissen sorgen. Von besonderer Bedeutung ist es in diesem Zusammenhang, dass die landwirtschaftliche Praxis die Innovationsprozesse im Rahmen der OG aktiv mitgestaltet; Innovationsimpulse aus der landwirtschaftlichen Praxis oder sog. „frugale“ Innovationen, also vereinfachte und anwendungsorientierte Lösungen bilden einen der Schwerpunkte der Maßnahme.


2.     Ungeachtet des grundsätzlich technologie- und themenoffenen Ansatzes ergeben sich aufgrund der spezifischen niedersächsischen/bremischen Gegebenheiten, die sich u.a. auch in der SWOT – Analyse zum PFEIL Programm niederschlagen, Themenfelder, die prioritär im Rahmen des Auswahlverfahrens zu behandeln sind. Die nachfolgenden thematischen Schwerpunkte leisten insoweit einen Beitrag zu den horizontalen Handlungsfeldern „Stärkung der Innovationspotentiale im ländlichen Raum“ und „Forcierung eines ökologisch verantwortlichen Strukturwandels“ im Rahmen der niedersächsischen RIS3 Strategie.
Thematische Schwerpunkte:
 
a)    Entwicklung wettbewerbsfähiger ressourcenschonender und tierartgerechter Produktionssysteme in der konventionellen und ökologischen Tierhaltung. Dabei sollten die Bedürfnisse aller Teilnehmer der Wertschöpfungskette in den Blick genommen werden. Innovative Konzepte für den Stall der Zukunft, die Verbesserung der Tiergesundheit und die weitere Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes sind hier denkbare Ansätze.

b)    Weiterentwicklung von wettbewerbsfähigen Ackerbau, Grünland- und Dauerkulturbewirtschaftungssystemen für ein Ressourcen schonendes  und effizientes Nährstoff- und Pflanzenschutzmanagement im konventionellen und ökologischen Landbau. Beiträge sind denkbar zur effizienteren und transparenten Verfolgung und Dokumentation (z.B. über Sensorik und Digitalisierungslösungen) der Nährstoffströme für die Stoffstrombilanz, auch als Datengrundlage für ein verbessertes Management. Innovationen des Pflanzenbaus (auch alternative Acker- und Gartenbaukulturen), praxisgetriebene Neuentwicklungen in der Ausbringungstechnik für Pflanzenschutzmittel, neue Organisationsformen und Geschäftsmodelle (z. B. smart services) werden gesucht, die zur Verringerung der Belastung des Grund- und Oberflächenwassers beitragen können.

c)     Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Bewirtschaftungssystemen und der nachgelagerten Wertschöpfungskette im Hinblick auf eine Verbesserung der Treibhausgas (THG) Bilanz. Hierzu könnten z. B. innovative Pflanzenbaukonzepte oder auch der Anbau von Torfersatzstoffen gehören.

d)    Entwicklung einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Bioökonomie. Die Biologisierung der Wirtschaft, also der Einsatz von biologischen Innovationen in Produktionsprozessen, kann hierzu einen Beitrag leisten. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit stehen dabei nicht im Widerspruch zueinander. Darunter fällt etwa die Verwendung biologischer, nachwachsender Ressourcen in der Produktion, um nachhaltigere Produkte zu erzeugen. Auch der Ersatz von chemischen Hilfsmitteln wie Pflanzenschutzmittel und Antibiotika durch biotechnologische Wirkprinzipien wie z. B. mikrobielle Lösungen oder neue Anwendungsgebiete für Schutzkulturen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind denkbar. Vorstellbar sind insbesondere neue Rest- und Nebenstromverwertungen und alternative Kulturen (z. B. fermentativer Aufschluss von Lebensmittelresten) mit ggf. neuen (wissensintensiven) Wertschöpfungsketten. Ansätze können hier z. B. bis zu systemischen Bodengesundheit-Konzepten oder die Entwicklung dazugehöriger tragfähiger Geschäftsmodelle beinhalten.