Bio-Obstbauer Henning Quast entschied sich in dem Projekt für den Schädlingsbekämpfungsversuch mit Legehennen. Die 200 Hennen hatten Auslauf in der Apfelanlage. Die Eier verkaufte der Landwirt ab Hof. Foto: Silke Heyer
Hühner halten durch ihr Scharren und Kratzen die Baumscheiben der Apfelbäume frei von Bewuchs. Außerdem zerstörten sie auch Mäusenester. Foto: Silke Heyer

Verringerung des Schädlingsdrucks und Differenzierung der Betriebsstrukturen durch die Haltung von Geflügel in Mobilställen in Öko-Obstanlagen

Die Obsterzeugung konzentriert sich in Niedersachsen in der Region „Altes Land“. Die hohe Dichte von Obstbäumen in dieser Region bedingt einen intensiven Pflanzenschutz, da spezifische Schaderreger hier optimale Lebensbedingungen vorfinden. Auch im ökologischen Erwerbsobstbau handelt es sich um intensiv wirtschaftende, spezialisierte Betriebe, die auf sehr viele, im Ökolandbau zulässige, Pflanzenschutzmaßnahmen angewiesen sind, um wirtschaftliche Einbußen durch bestimmte Schädlinge zu minimieren.

Wie gut sind Hühner und Puten als Schädlingsbekämpfer?

Der ökologische Obstbau ist ein intensives Bewirtschaftungssystem und damit anfällig für Schädlinge wie Apfelwickler, Apfelsägewespe und Kirschfruchtfliege. Eine Strategie gegen Schädlinge kann die gezielte Förderung von Nützlingen wie Singvögel und Fledermäuse sein. Auch Hühner und Puten suchen in ihrer natürlichen Umgebung gezielt nach Insekten, um ihren hohen Eiweißbedarf zu decken. Sie scharren im Boden und picken Pflanzen. Damit erreichen sie verschiedene Entwicklungsstadien von Insekten in der Erde, im Laub, im Fallobst oder am Stamm.

Drei Öko-Obstbaubetriebe und der „Öko-Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring“ (ÖON) wollen untersuchen, ob Hühner und Puten Schadinsekten in Obstanlagen nachweisbar reduzieren können. Dafür werden direkt in den Obstanlagen entweder Legehennen oder Puten in mobilen Ställen gehalten. Die Flächen und Vergleichsflächen werden auf den Insektenbefall kontrolliert. Außerdem wird berechnet, welche Preise der Obstbauer für Eier und Puten erzielen muss, damit sich die Tierhaltung für den Betrieb lohnt.

Die Raupen des Apfelwicklers ernähren sich vom Fruchtfleisch des Apfels. Die Larven überwintern am Stamm und am Boden. Foto: Bastian Benduhn

Erste Erkenntnisse

Legehennen:

  • suchen bevorzugt an den Baumstämmen nach Insekten
  • halten durch Scharren und Kratzen die Baumscheiben frei von Bewuchs
  • zerstören Mäusenester
  • Kupfernachweis in den Eiern unter dem Grenzwert

Puten:

  • benötigten mehr Betreuung als die Legehennen
  • fraßen Kirschen von den Bäumen, sobald sich die Früchte rot färbten
  • Kupfernachweis in der Leber liegt unter dem Grenzwert

Weil 2019 auf der Vergleichsfläche ein grundsätzlich sehr niedriger Befall mit Schädlingen festgestellt wurde, konnte nicht bewiesen werden, dass Legehennen und Puten die Schädlinge reduzieren. Untersuchungen im Folgejahr sollen Aufschluss geben, ob das Geflügel die Entwicklungskette der Schädlinge unterbrechen konnte.

Die Puten sollen helfen, die Obst-Schädlinge in der Apfelanlage zu reduzieren. Foto: Silke Heyer

Schlüsselwörter

Landwirtschaftliche Praxis/Tätigkeit
Tierhaltung
Schädlings-/Krankheitsbekämpfung

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